Gemeinsames Lernen - Integration von Kindern mit Behinderungen

 

Die Grundschule Jürgens Hof folgt dem Auftrag der Sozialen Koedukation, nach dem "alle Kinder möglichst in der Grundschule" zu fördern seien, nicht zuletzt dadurch, dass sie von der durch die AO-SF vorgegebenen Möglichkeit des Gemeinsamen Lernens aktiv Gebrauch macht.


Voraussetzungen
Es gibt vielfältige Voraussetzungen, die für die erfolgreiche Förderung im Gemeinsamen Unterricht von entscheidender Bedeutung sind.
Diese Voraussetzungen gliedern sich in personelle, räumliche und sächliche Voraussetzungen:

Personelle Voraussetzungen
Die personellen Voraussetzungen an der Grundschule Jürgens Hof sind gegeben, da eine eigene Sonderpädagogin beschäftigt wird. Besonders die ständige Präsenz der Sonderpädagogin trägt zusätzlich zur besseren Integration der behinderten Kinder bei, da auf Problemstellungen im Schulalltag direkter und kontinuierlicher eingegangen werden kann.
Die Regelschullehrkräfte 
arbeiten eng mit der an der Schule tätigen Sonderpädagogin zusammen, so dass beide Seiten von dem steten Austausch profitieren.

Räumliche Voraussetzungen
Für die Förderung der Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen steht mittlerweile ein fester Förderraum für diese Zwecke zur Verfügung. Dieser Raum ist multifunktionell gestaltet, so dass möglichst einer großen Spanne individueller Bedürfnisse entsprochen werden kann. Er bietet die Möglichkeit, vielfältige Sozialformen, Arbeitsformen und Unterrichtsmethoden für die verschiedenen Förderbereiche berücksichtigen zu können. Die Atmosphäre des Raumes ist wohnlich und motivierend gestaltet, zum Beispiel durch eine Sitzecke, eine Computerecke und selbst erstellte und gestaltete Medien. Zudem wurde der Raum mit Teppichen ausgelegt, um auch psychomotorische Fördereinheiten durchführen zu können.
 
Sächliche Voraussetzungen
Um den Förderraum optimal nutzen zu können, bedarf es einiger sächlicher Voraussetzungen, die jedoch immer wieder individuell überprüft und ggf. verändert werden, da sie sich an den Lern- und Entwicklungsprozessen der betreffenden Kinder orientieren.
Zur Zeit sind folgende Voraussetzungen erfüllt:
- Tische und Stühle in unterschiedlicher Höhe
- Teppichboden für Spiele und Übungen auf dem Boden
- Abwaschbarer Bodenbelag für Gestaltungssequenzen
- Computer
- vielfältiges Arbeits-, Lern- und Fördermaterial sowie Spiele zu unterschiedlichen Fächern und

  Förderbereichen
- Kassettenrekorder mit Aufnahmefunktion
- CD-Player


Die Erstellung von Förderplänen
Die erfolgreiche Durchführung des Gemeinsamen Lernens hängt wesentlich von der Zusammenarbeit der Regelschullehrkräfte mit den Lehrkräften der Förderschule ab. Darum wird an der Grundschule Jürgens Hof besonders viel Wert auf gegenseitigen Austausch untereinander sowie auf Beratungsgespräche gelegt.
Besonders bei den Kindern, die von einer Behinderung bedroht sind und bei denen noch kein Sonderpädagogisches Gutachten vorliegt, ist eine detaillierte Beschreibung der vorliegenden Probleme sowie eine intensive Beobachtung und Beratung nötig, um Erfolge zu erzielen.
Aus diesem Grund werden sämtliche Beobachtungen von der Regelschullehrkraft auch schriftlich notiert und dienen der Sonderpädagogin als Anhaltspunkt für weitere Maßnahmen.

Auf der Grundlage des Gutachtens bzw. der Gespräche und Aufzeichnungen der Lehrkraft wird im dialogischen Prinzip ein Förderplan erstellt, der sowohl durch die Sonderpädagogin als auch durch die Lehrkraft der Regelschule immer wieder überprüft wird.
Aus dem Sonderpädagogischen Gutachten sollten im Idealfall folgende Informationen hervorgehen:

- Statistische Daten

- Bisheriger Bildungsweg (Kindergarten, Frühförderung, etc.)

- Ausgangslage (Begründung des AO-SF, aktuelle        

  Lernbedingungen, Tests, Beobachtungsverfahren die  angewendet wurden)

- Soziales Umfeld

- Somatischer Bereich (prä-, peri-, postnatale Entwicklung, Krankheiten/Schäden)

- Wahrnehmung

- Motorik

- Sprache (Ausdrucksmittel, Sprachverständnis, Wortschatz, Kommunikation)

- Verhalten (Arbeits- u. Sozialverhalten, Selbstkonzept, Gruppenfähigkeit, Stellung)

- Schulisches Lernen (Deutsch, Mathe, Sach- und Orientierungswissen)

- Zusammenfassendes Problemresümee

- Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs

- Ergebnis der Gespräche mit den Erziehungsberechtigten


Wenn noch kein Gutachten vorliegt, wird versucht, möglichst viele Informationen zu den oben genannten Bereichen zu erlangen.
Dies geschieht z.B. durch Gespräche mit den Erziehungsberechtigten, Unterrichtsbeobachtungen sowie standardisierte und informelle Testverfahren.
Die Erstellung eines individuellen Förderplans ist immer eng mit der vorhergegangenen und lernprozessbegleitenden Förderdiagnostik verbunden.
Merkmale und Prinzipien der Förderdiagnostik an der Grundschule Jürgens Hof sind:
- die Orientierung am Kind
- Stärken in den Vordergrund stellen
- die Entwicklungsorientierung
- eine Lernprozessbegleitung
- die Vermeidung von Klassifikationen
- eine gewisse Vorsicht beim Einsatz von standardisierten Tests
- die Diagnose und Kooperation im Team

Hierbei ergibt sich von selbst, dass Förderdiagnostik als Lernbegleitung immer Förderplanung beinhaltet.
Nach den neuesten Rahmenvorgaben (Entwurf 2001) des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW muss die Förderplanung schriftlich fixiert und während der gesamten Schulzeit fortgeschrieben und evaluiert werden.

Bei der Förderplanung für ein bestimmtes Kind finden folgende Kriterien Beachtung:

 1.        Ausgangslage ermitteln

 2.        Verhaltensbeobachtungen austauschen

 3.        Stärken und Schwächen darstellen

 4.        Kind-Umfeld-Analyse durchführen

 5.        Förderziele finden

 6.        Vordringlichen Förderbedarf bestimmen

 7.        Langfristiges Erziehungskonzept entwickeln

 8.        Fördermaßnahmen festlegen

 9.        Lernmaterial, Konzepte, Methoden auswählen

10.       Zuständigkeiten verabreden

11.       Umsetzungsmöglichkeiten in der Schulumgebung planen

12.       Maßnahmen evaluieren
 
Die regelmäßige Evaluation stellt die Grundlage für eine kontinuierliche Überprüfung und Überarbeitung der Förderpläne dar und bezieht sich auf folgende Bereiche:

- Auf der (Förder-)unterrichtsebene werden die Lerninhalte, die Art der Vermittlung, die Dauer, die

  Medien, sowie die Stärken, die Schwächen der Förderbedarf der Schüler evaluiert

- Auf der Schulebene werden die Atmosphäre, die Lernmöglichkeiten,das Pausenangebote, das

  Personal und das Management evaluiert

- Auf der Ebene der Ergebnisse werden die Leistungen und die Entwicklungsschritte der Schüler

  evaluiert

Es werden demnach relevante Aspekte der Lernausgangslage, vordringliche Förderziele sowie klar definierte Maßnahmen für die Unterrichtspraxis festgelegt, wobei die Standards und Strukturen im kollegialen Austausch entwickelt werden.
Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse werden dann die für das Kind günstigsten Organisationsstrukturen festgelegt.


Zielgleiche und zieldifferente Förderung
Je nach Entwicklungs- und Leistungsstand des betreffenden Kindes muss entschieden werden, ob eine Förderung gemessen an der Regelschulklasse zielgleich oder zieldifferent erfolgen soll.
Bei der zielgleichen Förderung richten sich die Inhalte nach den Lehrplänen der Regelschule, bei der zieldifferenten Förderung richten sie sich je nach Art der Behinderung nach den Lehrplänen der Schule für den Förderschwerpunkt Lernen bzw. geistig Behinderte in Verbindung mit den Lehrplänen der Regelschule.
Dies bedeutet, dass zieldifferent geförderte Kinder, die aufgrund eines
AO-SF im Gemeinsamen Lernen der Regelschule unterrichtet werden, die Ziele der Regelschule nicht erreichen müssen.

 


Kleingruppenförderung und Förderung im Klassenverband

Unter Berücksichtigung der jeweiligen Lernausgangslage und Entwicklungsstände der Kinder werden besonders in Kleingruppen gute Erfolge erzielt. Dies betrifft überwiegend die von Behinderung bedrohten Kinder in den Klassen 1 und 2, die Auffälligkeiten in den Bereichen Lern- und Arbeitsverhalten, Wahrnehmung, Sprache und Mathematik vorweisen.
In den Kleingruppen ist es möglich, die Kinder in einer ruhigen Atmosphäre besonders intensiv und individuell zu fördern. Dadurch können in den fachlichen Lernbereichen Rückstände minimiert beziehungsweise aufgeholt werden.
Außerdem kann eine Verbesserung der Lernmotivation, der Arbeitsplanung, der Selbstständigkeit und des Arbeitstempos erzielt werden, was im Folgenden dazu führt, dass die betreffenden Kinder im normalen Klassenunterricht wieder gut integriert sind und eine zielgleiche Förderung möglich ist.
Besonders verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler profitieren von der Arbeit in Kleingruppen, da ihre Aufmerksamkeit besser fokussiert werden kann.
Auf Einzelne und ihre Bedürfnisse kann besser eingegangen werden, was der Arbeit im Klassenverband zukünftig zu Gute kommt. Dies gilt insbesondere für kontaktscheue Kinder, die sich im Klassenverband nur selten offen zeigen.
Durch die Kleingruppe werden sie (z.B. durch Interaktions- und Rollenspiele) auf die Arbeit in Gruppen vorbereitet und in ihrem Selbstwertgefühl bestärkt.
Bei der Einteilung der Kleingruppen ist es vom Ziel abhängig, ob die Gruppen homogen oder heterogen zusammengesetzt werden.
Im letzten Halbjahr hat es sich bewährt, die Kinder, die Probleme im Bereich Lernen haben, in homogenen Gruppen zu fördern.
Dies bietet folgende Vorteile:
- die Kinder stellen fest, dass sie nicht die einzigen sind, die Probleme mit bestimmten  

  Inhalten und Aufgabenstellungen haben (Motivationsaspekt)
- innerhalb der Kleingruppe kann relativ zielgleich gefördert werden (Ökonomischer Aspekt)
Die Zusammensetzung von heterogenen Kleingruppen bietet sich besonders an, wenn es um den Bereich soziales Lernen geht.
Besonders durch Interaktions- und Rollenspiele können in diesem Bereich auf motivierende Art gute Fortschritte erzielt werden. Hier lernen die Kinder nicht nur miteinander, sondern auch voneinander. Es werden Vorbildfunktionen genutzt, Helfersysteme aufgebaut und Verhaltensweisen beobachtet, erprobt und reflektiert, die im Folgenden gut in den normalen Klassenunterricht integriert werden können.

 

Die Förderung im Klassenverband ist von zentraler Bedeutung, stellt jedoch manchmal ein großes Problem dar, weil sich die Schülerinnen und Schüler zunächst daran gewöhnen müssen, dass eine zusätzliche Lehrkraft anwesend ist, die je nach Planung und Inhalt festgelegte Aufgaben übernimmt. Sie kann gemeinsam mit der Regelschullehrkraft im Team-Teaching unterrichten, sie kann stundenweise den Unterricht der Regelschullehrkraft übernehmen, um dieser eine konzentriertere Beobachtungsmöglichkeit einzelner Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen oder sie kann den betreffenden Kindern besondere Unterstützung im Klassenverband bieten.
Besonders bei verhaltensauffälligen Kindern können problematische Situationen sofort analysiert und reflektiert werden, ohne dass der normale Klassenunterricht dadurch unterbrochen werden muss. Verhaltensalternativen können umgehend gefunden und erprobt werden, wobei die Möglichkeit besteht, die Klasse direkt oder indirekt in die Maßnahmen mit einzubeziehen.
Der jeweilige Umfang von Kleingruppenförderung und Förderung im Klassenverband muss unter Beachtung des Stundenkontingents, der Anzahl der Schüler und der individuellen Lernvoraussetzungen immer wieder neu strukturiert werden.

Dies kann nur durch intensive Planung und Zusammenarbeit sowie regelmäßigem Austausch zwischen allen Beteiligten festgelegt werden.
Unter Beachtung des komplexen Bedingungsumfelds eines Kindes kann es sogar erforderlich sein, die Strukturierung der Förderstunden wöchentlich zu ändern.
Dies verlangt von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität, die nur gewährleistet werden kann, wenn genügend Raum für Planung und Beratung zur Verfügung gestellt wird.

 


Einbeziehung der Erziehungsberechtigten
Bei vielen erzieherischen Fragen und Problemen ist es unerlässlich, dass entsprechende Maßnahmen, die in der Schule durchgeführt werden, auch mit den Eltern abgesprochen werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Schüler sowohl zu Hause, als auch in der Schule die gleichen Regeln und Freiheiten erhält und entsprechend danach handelt. Auch die Konsequenzen von unerwünschtem Verhalten und dem Bruch von Regeln sollten auf jeden Fall im Elternhaus und in der Schule gleich sein. Schüler haben sonst Schwierigkeiten zu verstehen, warum sie bestimmte Dinge zu Hause dürfen, in der Schule aber nicht, und umgekehrt. Dies gilt insbesondere für die Schüler, die einer besonderen Erziehungshilfe aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten bedürfen.
Im Rahmen der Elternabende und Klassenpflegschaftssitzungen werden die Eltern regelmäßig über Lern- und Erziehungsziele informiert. Ebenso über die Möglichkeiten, wie sie an diesem Prozess aktiv teilnehmen können.
Besonders für die im Gemeinsamen Lernen geförderten Kinder ist es von großer Bedeutung, dass eine kontinuierliche Förderung auch unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten stattfindet. Die Eltern bekommen regelmäßig einen Überblick über die schulische Entwicklung ihrer Kinder. Dabei werden sie auch über zusätzliche außerschulische Fördermöglichkeiten, Therapien und Beratungsstellen unterrichtet.